„Fit bis 100 Jahre” – Stader diskutieren über Leben im Alter

Die Initiative Komvia hat Stader zu einem Dialog über das Leben im Alter eingeladen. Es ging um das starre deutsche Pflegesystem und wie es zum Besseren verändert werden könnte.

Stade. In der Wohnstätte Stade diskutierten etwa 40 Menschen über die Frage „Wie möchten wir im Alter leben?”. Organisiert wurde der Bürgerdialog von der Initiative Komvia (Kommunale Versorgungsinnovation im Alter), die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Selbstständigkeit von alten Menschen bis ins hohe Alter zu erhalten. „Eine alternde Gesellschaft kann man nicht ins Bett pflegen”, sagt einer der Referenten und Komvia-Mitglied, Lars Jessen.

Zunächst begrüßen Christian Pape, Vorstand der Wohnstätte Stade, und Wencke Delekat die Anwesenden. Die Staderin ist Gründerin des Unternehmens Seniorensport und von Komvia. Delekat und die Wirtschaftspsychologin Annemarie Fajardo, die ebenfalls zur Komvia-Initiative gehört, führen durch den Nachmittag.

Herausforderungen für alte Menschen in Stade

Zu Beginn fragt Fajardo das Publikum nach seinen Wünschen für ein Leben im Alter. Schnell zeigt sich, dass alte Menschen in Stade auf verschiedene Herausforderungen stoßen. Eine Sprecherin wünscht sich bessere Wege für Rollatoren; zur Sprache kommen ebenfalls unzureichende ÖPNV-Anbindungen und der Wunsch nach Bedarfstaxis.

Anderen ist soziale Teilhabe und Vernetzung von alten Menschen besonders wichtig: „Ich möchte mich selbst noch einbringen und hilfreich sein”, sagt eine Frau. Ein 92-jähriger Teilnehmer macht darauf aufmerksam, wie schwer es sei, nachts im Notfall einen Arzt kontaktieren zu können. So könne ambulante Pflege nicht funktionieren. Ein Wunsch seinerseits: noch mit 100 fit und selbstständig zu sein.

Pflege muss vor dem Pflegegrad beginnen

Anschließend stellt Lars Jessen das dänische Pflegekonzept vor. Der dänische Unternehmer erklärt, das Ziel bestehe darin, dass Menschen so lange wie möglich aktiv bleiben. Nach einer Verletzung beispielsweise versuchten Pflegekräfte, den Betroffenen ihre Selbstständigkeit durch Training zurückzugeben.

Außerdem plädiert Jessen für eine Pflege, die ansetzt, bevor ein Pflegegrad notwendig wird, und zwar durch präventive Arbeit. Dafür liege die Verantwortung teilweise bei den Menschen selbst, zum Beispiel durch gesunde Ernährung, genügend Bewegung und das Aufrechterhalten sozialer Kontakte.

Was kann man in Deutschland anders machen?

Wie Pflege in Deutschland anders laufen könnte, erklärt Wencke Delekat am Beispiel von Oskar Dierbach. Er ist ebenfalls Mitglied von Komvia und hat ein Pflegekonzept entworfen, das Rehabilitation in den Vordergrund stellt. Dierbach testete sein Konzept zunächst in den zwei Pflegeheimen, die er vor dem Ruhestand geleitet hatte.

Dierbach habe für seine Patienten einen individuellen Trainingsplan erarbeitet, um sie wieder fit für den Alltag zu machen. Sein Ansatz wurde anschließend in einem Projektversuch der AOK Rheinland/Hamburg in mehreren Pflegeheimen über zwölf Monate ausprobiert. Die Ergebnisse des Versuchs werden aktuell evaluiert.

Das sagen die Anwesenden: Lob für Stade

Zum Schluss kommt das Publikum zu Wort und beschreibt seine Zukunftsvisionen zum Thema Pflege. Kritisiert wird unter anderem das zu starre deutsche System, das kaum Anreize biete zur Verbesserung des Pflegegrads.

Doch es gibt auch positive Stimmen: Die Stadt Stade habe ein sehr vielfältiges Programm für Senioren, das viele Möglichkeiten biete, aus dem Haus zu kommen. Die bei der Diskussion entstandenen Ideen und Impulse möchte die Komvia-Initiative nun in die Politik weitertragen.

Quelle: Stader Tageblatt

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